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Landebahn soll um 300 m verlängert werden. Hauptmatador Wizz Air will größere Flugzeuge einsetzen

Im Sept. 2015 entschloss sich Wizz Air, der Hauptakteur am Dortmunder Flughafen, seine Flotte auf den Airbus A321neo umzustellen. Bis 2026 sollen 276 A321-Fliegern in verschiedensten Versionen vom Flugzeugbauer Airbus ausgeliefert werden. Und diese Jets sollen auch in Dortmund eingesetzt werden mit erheblichen Konsequenzen für den Dortmunder Flughafen.

Wizz Air- Airbus A321 Neo, Foto: Tino Lehmann
Wizz Air- Airbus A321 Neo, Foto: Tino Lehmann

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In eigener Sache: Corona und die Folgen

Durch die Corona bedingten Einschränkungen konnte die ursprünglich für den 21. April geplante Mitgliederversammlung leider nicht durchgeführt werden.

Zurzeit ist nicht absehbar, wann die Einschränkungen aufgegeben werden. Wenn möglich, will der Vorstand zu einer Mitgliederversammlung für Anfang September einladen.

Ebenso mussten unsere Planungen zur Durchführung zweier Wahlveranstaltungen mit den Oberbürger- bzw. Bürgermeister-Kandidatinnen in Dortmund und Unna aufgegeben werden. Stattdessen werden wir uns über Plakate und Wahlprüfsteine in den Kommunalwahlkampf einbringen.

Leider hat Elke Kurpass ihr Amt als Beisitzerin im Vorstand aufgegeben. Wir danken recht herzlich für Ihr Engagement im Vorstand der Schutzgemeinschaft.

Mario Krüger
Für den SGF- Vorstand

Dortmunds Segen oder Fluch? – Der neue SGF-Vorsitzende Mario Krüger erläutert seine Positionen

Vor etwa acht Monaten ist Mario Krüger als Vorsitzender der Dortmunder SG Fluglärm in die Fußstapfen seiner Vorgängerin Ursula Wirtz getreten. Noch muss er sein dortiges Engagement zwar etwas dosieren, doch mit seinem im März anstehenden Rückzug aus dem aktiven Arbeitsleben ist fest geplant, mindestens einen Gang höherzuschalten.

Vorgenommen hat er sich für seine Amtszeit u. a. eine Modernisierung der inneren Strukturen der Bürgerinitiative und eine damit einhergehende stärkere öffentliche Präsenz. Regelmäßige Newsletter an die Mitglieder sollen künftig ebenso zum Konzept gehören wie ein abwechselnd in Dortmund und Unna stattfindender Stammtisch.

Und an inhaltlichen Themen dürfte es der Schutzgemeinschaft in der nächsten Zeit ebenso wenig mangeln wie schon über die letzten Jahrzehnte hinweg. Die Unterstützung mehrerer Privatklagen gegen Nachtflüge etwa oder das aktuelle Kräftemessen um die geplante faktische Verlängerung der Landebahn stellen laut Mario Krüger die derzeit dringlichsten Baustellen dar.

„Millionengrab“ Dortmunder Airport
Im Gespräch mit unserer Redaktion analysiert er ein weiteres Mal und mit Kopfschütteln, auf wie vielfältige, fragwürdige Art Stadt Dortmund sowie die Flughafenverantwortlichen nach seiner Ansicht das „Millionengrab“ Dortmunder Airport gegenüber der Öffentlichkeit zu rechtfertigen versuchten, zahlreiche Nebelkerzen inbegriffen.

Der Verweis auf steigende Fluggastzahlen im Laufe der letzten Jahre beispielsweise sei angesichts der Tatsache, dass der Dortmunder Flughafen pro Passagier jeweils massiv draufzahle, leicht erkennbare Augenwischerei. Bei den entsprechenden Bilanzen wiederum seien sich die Verantwortlichen für kaum einen „Trick“ zu schade: Die Versorgung der Flughafen-Feuerwehr mir Infrastruktur und Gerätschaften schlug – so Mario Krüger – in der Vergangenheit für den Airport regelmäßig mit 800.000 € jährlich zu Buche.

Neuerdings allerdings, und noch dazu rückwirkend seit 2017, dürfe man sich in Wickede über Mieteinnahmen der Stadt in exakt gleicher Höhe freuen. Der Flughafen preise diese Summe in seine Gewinn-/Verlustrechnung ein und habe auf diese Weise im Bemühen um schwarze Zahlen eine Sorge weniger.

Im Gespräch mit Redakteur des In-StadtMagizin

Im Gespräch mit Redaktion des IN-StadtMagazin, Foto-Nachweis: IN-StadtMagazin

Ungültiges Angebot
Ein zweites Beispiel schiebt Krüger nach: Als 2014 die Fluggastkontrollen neu ausgeschrieben worden waren, habe der Flughafen selbst von vornherein ein ungültiges Angebot abgegeben. Im Endeffekt landete der Auftrag bei einem privaten Anbieter, der längst nicht alle der 70 Mitarbeiter übernahm. Der Schutzgemeinschafts-Vorsitzende rechnet damit, dass es in Kürze bei der Neuvergabe der Bodenverkehrsdienste zum Zwecke der Kostenreduzierung wieder in gleicher Weise laufen werde.

Bürger „büßen“ für Prestigeobjekt
Da die Finanzierungssorgen des Flughafens damit allerdings nicht ausgeräumt seien, müsse der Dortmunder Bürger auf vielfältige Weise für das Prestigeprojekt „büßen“: Zum Beispiel, wenn sich die Dortmunder Stadtwerke innerhalb des VRR ein weiteres Mal als Triebfeder für Preiserhöhungen positionierten. Gleichzeitig sei kein Geld für eine längst überfällige vollständige Modernisierung der Bus- und Stadtbahn-Flotte oder ein nachfrageorientierter Ausbau des ÖPNV-Angebotes vorhanden. Auch bei Fernwärme, Wasser oder Strom nutze man kontinuierlich die sich bietenden Gelegenheiten, an der Preisschraube zu drehen.
Beschäftigungslos also werden Mario Krüger und seine Mitstreiter so schnell nicht werden.

Macht es in der Öffentlichkeit doch vielmehr manchmal den Eindruck, als ob das erbitterte Wickeder Kräftemessen zwischen Flughafengegnern und -befürwortern schon seit Anbeginn der Zeiten mit unverminderter Intensität tobt. Und ein Ende – dessen ist sich der neue SG-Chef vollends sicher – ist auch nicht abzusehen.


(veröffentlicht im Spezial-IN-StadtMagazin 01/2020)

Ludger van Bebber soll neuer Flughafen-Geschäftsführer werden

Ludger van Bebber wird neuer Flughafen-Geschäftsführer
Ein umtriebiger Geschäftsmann beerbt Udo Mager

In der letzten Sitzung vor der Sommerpause  hat der Rat der Stadt Dortmund in nichtöffentlicher Sitzung mit Stimmen von CDU und SPD seine nachträgliche Zustimmung zur Bestellung von Ludger van Bebber als neuer Flughafen-Geschäftsführer geben. Im Vorfeld hatte es eine Menge Ärger zum Alleingang des Stadtwerke-Vorsitzenden Guntram Pehlke gegeben. Der war nämlich der Auffassung, dass eine vorherige Beteiligung des Rates nicht erforderlich sei. Obwohl entsprechende Vereinbarungen zwischen dem Stadtwerkekonzern DSW21 und seinem alleinigen Aktionär die Stadt Dortmund ganz anders aussehen.

Wer ist Ludger van Bebber, der die Nachfolge des gesundheitlich angeschlagenen bisherigen Geschäftsführer Udo Mager antreten soll?

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Airport Dortmund: Eigentore im Klimaschutz

Der FC Bayern München, der BVB und Herne West (alias FC Schalke 04) stehen seit Jahren in Konkurrenz um Punkte, Tore, Meisterschaft. Zumindest im Ruhrgebiet will man oben stehen, die Nr. 1 sein. Spieler werden gekauft, der Kader ertüchtigt. Das ehrgeizige Ziel: Dem Rekordmeister Paroli bieten. Die Losung: Seid gierig im Anspruch, schießt Tore! Tore für den Erfolg. Jedes Eigentor wäre ein Desaster.

Auch der Flughafen Dortmund verbucht Rekorde. Stolz verkündete Flughafenchef Udo Mager die Zahlen zum rekordverdächtigen Höhenflug: 41 Ziele, ca. 400.000 Passagiere mehr als noch in 2018 sind ca. 2,7 Millionen Fluggäste in 2019. Damit steht der Airport auf dem dritten Tabellenplatz der NRW-Flughäfen. Doch ein Blick hinter diese euphorische Botschaft kann einen da schon ins Grübeln bringen. Denn bei Analyse der trockenen Zahlen müssen die Erfolge klar als Eigentore bewertet werden.

Eigentor 1:
Dank der knallharten Preispolitik mit WizzAir, Eurowings, Ryanair und easyJet treiben die Billigflieger die Preise in den Keller und die Passagierzahlen sowie die CO2-Belastung nach oben. Allein bei den Starts und Landungen in 2018 wurden rund 20.000 Tonnen CO2 und zusätzlich weitere 40.000 Tonnen klimaschädliche Gase ausgestoßen. Damit gehört der Flughafen mit an die Spitze der Dortmunder CO2-Emittenten.

Eigentor 2:
Nur aufgrund der Quersubventionen mit den Dortmunder Stadtwerke konnte das relativ positive Betriebsergebnis erreicht werden, denn immerhin 12 Millionen Euro Verlust müssen für 2019 ausgeglichen werden. Seit 1998 summieren sich damit die Verluste auf erschreckende 358,5 Millionen Euro. Ob man will oder nicht: jede*r Dortmunder Bürger*in ist so automatisch über die Gas- und Stromrechnung mit 24,05 Euro dabei, schenkt quasi jedem Fluggast 4,40 Euro Taschengeld. Oder anders gesagt: Die Passagierzahlen steigen – der Erlös für den Airport und Investitionen in den ÖPNV (öffentlicher Personen-Nahverkehr) bleiben buchstäblich auf der Strecke.

Eigentor 3:
Zum Schutz der Bevölkerung wurde im Jahr 2000 die Nutzung der Landebahn auf maximal 1.700 m festgelegt. Das soll sich 2020 ändern, damit Platzhirsch WizzAir (63,7% aller Passagiere) den größeren Airbus A321 Neo einsetzen kann. Die einen loben die Planung als zukunftsorientierte Unternehmensstrategie – andere nennen das schlicht „Erpressung“. Unstrittig ist: Die Verlängerung der Landebahn um 300 m hätte weitreichende Folgen: In nur 105 m Höhe setzen die Maschinen zum Landeanflug an. Und, um Passagiere mit einem teureren Ticket nicht zu verschrecken würden die Verluste erneut steigen.



Sportlich will Dortmund Erfolge feiern und ganz oben in der Tabelle mitspielen.
Doch ökologisch und ökonomisch ist der Airport ein Desaster für die Stadt.

Und übrigens, im Fußball gibt es immer die Möglichkeit einer Revanche - doch bei Eigentoren im Klimaschutz gibt es keine neue Chance.

(veröffentlicht im Spezial-IN-Stadtmagazin "Anpfiff")