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Airport Dortmund: Eigentore im Klimaschutz

Der FC Bayern München, der BVB und Herne West (alias FC Schalke 04) stehen seit Jahren in Konkurrenz um Punkte, Tore, Meisterschaft. Zumindest im Ruhrgebiet will man oben stehen, die Nr. 1 sein. Spieler werden gekauft, der Kader ertüchtigt. Das ehrgeizige Ziel: Dem Rekordmeister Paroli bieten. Die Losung: Seid gierig im Anspruch, schießt Tore! Tore für den Erfolg. Jedes Eigentor wäre ein Desaster.

Auch der Flughafen Dortmund verbucht Rekorde. Stolz verkündete Flughafenchef Udo Mager die Zahlen zum rekordverdächtigen Höhenflug: 41 Ziele, ca. 400.000 Passagiere mehr als noch in 2018 sind ca. 2,7 Millionen Fluggäste in 2019. Damit steht der Airport auf dem dritten Tabellenplatz der NRW-Flughäfen. Doch ein Blick hinter diese euphorische Botschaft kann einen da schon ins Grübeln bringen. Denn bei Analyse der trockenen Zahlen müssen die Erfolge klar als Eigentore bewertet werden.

Eigentor 1:
Dank der knallharten Preispolitik mit WizzAir, Eurowings, Ryanair und easyJet treiben die Billigflieger die Preise in den Keller und die Passagierzahlen sowie die CO2-Belastung nach oben. Allein bei den Starts und Landungen in 2018 wurden rund 20.000 Tonnen CO2 und zusätzlich weitere 40.000 Tonnen klimaschädliche Gase ausgestoßen. Damit gehört der Flughafen mit an die Spitze der Dortmunder CO2-Emittenten.

Eigentor 2:
Nur aufgrund der Quersubventionen mit den Dortmunder Stadtwerke konnte das relativ positive Betriebsergebnis erreicht werden, denn immerhin 12 Millionen Euro Verlust müssen für 2019 ausgeglichen werden. Seit 1998 summieren sich damit die Verluste auf erschreckende 358,5 Millionen Euro. Ob man will oder nicht: jede*r Dortmunder Bürger*in ist so automatisch über die Gas- und Stromrechnung mit 24,05 Euro dabei, schenkt quasi jedem Fluggast 4,40 Euro Taschengeld. Oder anders gesagt: Die Passagierzahlen steigen – der Erlös für den Airport und Investitionen in den ÖPNV (öffentlicher Personen-Nahverkehr) bleiben buchstäblich auf der Strecke.

Eigentor 3:
Zum Schutz der Bevölkerung wurde im Jahr 2000 die Nutzung der Landebahn auf maximal 1.700 m festgelegt. Das soll sich 2020 ändern, damit Platzhirsch WizzAir (63,7% aller Passagiere) den größeren Airbus A321 Neo einsetzen kann. Die einen loben die Planung als zukunftsorientierte Unternehmensstrategie – andere nennen das schlicht „Erpressung“. Unstrittig ist: Die Verlängerung der Landebahn um 300 m hätte weitreichende Folgen: In nur 105 m Höhe setzen die Maschinen zum Landeanflug an. Und, um Passagiere mit einem teureren Ticket nicht zu verschrecken würden die Verluste erneut steigen.



Sportlich will Dortmund Erfolge feiern und ganz oben in der Tabelle mitspielen.
Doch ökologisch und ökonomisch ist der Airport ein Desaster für die Stadt.

Und übrigens, im Fußball gibt es immer die Möglichkeit einer Revanche - doch bei Eigentoren im Klimaschutz gibt es keine neue Chance.

(veröffentlicht im Spezial-IN-Stadtmagazin "Anpfiff")