Ludger van Bebber soll neuer Flughafen-Geschäftsführer werden

Ludger van Bebber soll neuer Flughafen-Geschäftsführer werden
Ein umtriebiger Geschäftsmann beerbt Udo Mager

Ludger van Bebber soll neuer Geschäftsführer der Flughafen Dortmund GmbH werden. So der Beschluss der Gesellschafterversammlung vom 13. März 2020 auf Empfehlung einer Findungskommission, der neben Stadtwerke-Chef Guntram Pehlke, der Betriebsratsvorsitzende und Mitglied des Aufsichtsrates Thomas Stegmann sowie die Aufsichtsratsmitglieder Manfred Sauer (CDU) und Hendrik Berndsen (SPD) angehörten.

„Wir haben eine Reihe von Kandidaten sehr gewissenhaft unter die Lupe genommen und sind zutiefst überzeugt, mit Ludger van Bebber die bestmögliche Lösung gefunden zu haben“, so Guntram Pehlke in einer Pressemitteilung der Dortmunder Stadtwerke. Auch der Vorsitzende des Flughafen-Betriebsrates Thomas Stegmann ist voll des Lobes. Van Bebber sei „ein Mann vom Fach: er versteht alle betrieblichen und operativen Abläufe eines Flughafens, verfügt bereits über ein starkes Netzwerk in der Flughafen-Branche und kennt relevante EU-Vorgaben und Vorschriften für die Luftfahrtbranche. Stegmann ist sicher, „dass der zukünftige Geschäftsführer den eingeschlagenen Weg der wirtschaftlichen Konsolidierung fortsetzen wird und es versteht, die Belegschaft des Flughafens in diesen Prozess mit einzubinden.“

Wer ist Ludger van Bebber, der die Nachfolge des gesundheitlich angeschlagenen bisherigen Geschäftsführer Udo Mager antreten soll?

Ein umtriebiger Geschäftsmann - ohne Zweifel. Seit 2004 alleiniger Geschäftsführer des Flughafen Weeze. Ein Fulltime-Job, sollte man meinen. Nicht für Ludger van Bebber. Zumindest zeitweilig firmierte Ludger van Bebber neben seinem Flughafen-Job auch als Geschäftsführer der Baufirma Quadrum Kleve GmbH & Co. KG. Ausweislich der Internetseite des Unternehmens ist die Firma „angegliedert an eine mittelständische Unternehmensgruppe mit insgesamt 40 Mitarbeitern“. Interessant ist auch die Firmenkonstruktion der Quadrum Kleve GmbH & Co. KG. Denn hinter der Quadrum Kleve GmbH und Co. KG steht als so genannter Komplementär die Quadrum Verwaltungs GmbH. Dieses Unternehmen wurde am 28. Juni 2013 ins Leben gerufen und ist wiederum ein Tochterunternehmen der Catus Holding UG (Geschäftsführer Ludger van Bebber) und der Callidus Holding UG (Geschäftsführer Philipp Janßen). Catus besitzt etwas mehr als die Hälfte (12.750), Callidus etwas weniger als die Hälfte der Unternehmensanteile (12.250).



Quelle: https://www.northdata.de/Quadrum+Verwaltungs+GmbH,+Goch/Amtsgericht+Kleve+HRB+12232

Mit diesen Nebentätigkeiten allein war Ludger van Bebber offensichtlich noch nicht ausgefüllt. Und jetzt wird es spannend: Als Geschäftsführer des Flughafens Weeze verstand Ludger van Bebber es darüber hinaus, sozusagen als Privatperson, sich ein drittes einträgliches Standbein mit/neben dem Flughafen Weeze aufzubauen:
Über die Catus Holding GmbH ist Ludger van Bebber mit 40 % der Gesellschafteranteile an der „Agello Service Holding GmbH Co. KG“ beteiligt. Über die Agello Holding wird die → Agello Service GmbH gehalten. Und diese ist wiederum als Holding konstruiert über die Tochter-Unternehmen

- Agello Aviation Service GmbH
- Agello Luftsicherheits Campus
- Agello Cleaning Service GmbH
- Agello Gastro Service GmbH
- Agello Industry Service GmbH
- Albeto GmbH
- Agello Verwaltungs Service GmbH
- Agel' IT
- Agello Service GmbH

gesteuert werden.

Quelle: https://agello.de/home/

Und mit diesen Unternehmungen hat Ludger van Bebber gemeinsam mit seinem holländischen Partner Hermanus Buurman vielfältige erträgliche Geschäftsbeziehungen zum Flughafen Weeze aufgebaut. Beispielsweise werden über die Agello Aviation Service GmbH die Sicherheitsleistungen am Flughafen Weeze erbracht. Das Unternehmen Agello Luftsicherheits Campus, ein Weiterbildungszentrum, wiederum schult die 120 Mitarbeiter der Agello Aviation Service in Sachen Flugsicherheit.

Oder anders formuliert: In seiner Funktion als Flughafengeschäftsführer bestellt Ludger van Bebber Leistungen von einem Unternehmen, an dem er selbst beteiligt ist. Und selbstredend erwirtschaftet seine Agello Aviation Service GmbH Gewinne, von denen er als Mitgesellschafter profitiert, während der Flughafen Weeze auf Kapitalspritzen des Kreises Wesel angewiesen ist.

Selbstredend, dass dieses Geschäftsgebaren mit den Compliance-Regeln der Stadt Dortmund bzw. der Dortmunder Stadtwerke nicht vereinbar ist. Nichtsdestotrotz haben die Gesellschafterversammlung und der Aufsichtsrat des Dortmunder Flughafens Ludger van Bebber als neuen Geschäftsführer bestellt. Ausgestattet mit einem 5-Jahresvertrag und einem fürstlichen Jahresgehalt –in den Ratshausfluren wird eine Vergütung von 350.000 € kolportiert- und einer großzügigen Pensionsregelung hat Ludger von Bebber endgültig ausgesorgt.

Gemäß Gesellschaftervertrag hätte der Rat der Stadt Dortmund seine Zustimmung vor Vertragsunterzeichnung geben müssen. Bisher ist das nicht erfolgt. Ob die Fraktionen von SPD und CDU diese Posse trotzdem durchwinken werden, bleibt abzuwarten. Dem DSW-Vorstandsvorsitzenden Guntram Pehlke scheint das egal zu sein. Auf eine Anfrage des WDR wird ausgeführt, dass „ die Stadtwerke betonen, dass der Vertrag mit van Bebber rechtsgültig sei“. Die Linken im Rat der Stadt Dortmund haben dies zum Anlass genommen einige Fragen an Oberbürgermeister Ulrich Sierau zu stellen:
1. Sind die an die Journalisten gegebenen Informationen sachlich korrekt?
2. Ist es üblich, dass DSW21 Verträge mit neuen Geschäftsführern rechtsgültig abschließt, ohne den Rat und seinen Fachausschuss „Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Liegenschaften“ (AFBL) einzubeziehen, bzw. die Beratungsergebnisse des AFBL abzuwarten?
3. Welche konkreten Konsequenzen hat ggf. eine Vertragsablehnung durch den AFBL oder durch den Rat der Stadt Dortmund in Bezug auf das Verfahren zur Besetzung der fraglichen Position am Flughafen Dortmund, angesichts des möglichen bereits rechtsgültig erfolgten Vertragsabschlusses?

Es wird sich bald zeigen, ob die Compliance-Regeln der Stadt Dortmund auch für die Personalie Ludger van Bebber gelten. Und ob die Verquickung von privaten und beruflichen Interessen in Person von Ludger van Bebber künftig auch am Dortmunder Flughafen Einzug halten werden.

 

Dortmunds Segen oder Fluch? – Der neue SGF-Fluglärm-Chef Mario Krüger erläutert seine Positionen

Vor etwa acht Monaten ist Mario Krüger als Vorsitzender der Dortmunder SG Fluglärm in die Fußstapfen seiner Vorgängerin Ursula Wirtz getreten. Noch muss er sein dortiges Engagement zwar etwas dosieren, doch mit seinem im März anstehenden Rückzug aus dem aktiven Arbeitsleben ist fest geplant, mindestens einen Gang höherzuschalten.

Vorgenommen hat er sich für seine Amtszeit u. a. eine Modernisierung der inneren Strukturen der Bürgerinitiative und eine damit einhergehende stärkere öffentliche Präsenz. Regelmäßige Newsletter an die Mitglieder sollen künftig ebenso zum Konzept gehören wie ein abwechselnd in Dortmund und Unna stattfindender Stammtisch.

Und an inhaltlichen Themen dürfte es der Schutzgemeinschaft in der nächsten Zeit ebenso wenig mangeln wie schon über die letzten Jahrzehnte hinweg. Die Unterstützung mehrerer Privatklagen gegen Nachtflüge etwa oder das aktuelle Kräftemessen um die geplante faktische Verlängerung der Landebahn stellen laut Mario Krüger die derzeit dringlichsten Baustellen dar.

„Millionengrab“ Dortmunder Airport
Im Gespräch mit unserer Redaktion analysiert er ein weiteres Mal und mit Kopfschütteln, auf wie vielfältige, fragwürdige Art Stadt Dortmund sowie die Flughafenverantwortlichen nach seiner Ansicht das „Millionengrab“ Dortmunder Airport gegenüber der Öffentlichkeit zu rechtfertigen versuchten, zahlreiche Nebelkerzen inbegriffen.

Der Verweis auf steigende Fluggastzahlen im Laufe der letzten Jahre beispielsweise sei angesichts der Tatsache, dass der Dortmunder Flughafen pro Passagier jeweils massiv draufzahle, leicht erkennbare Augenwischerei. Bei den entsprechenden Bilanzen wiederum seien sich die Verantwortlichen für kaum einen „Trick“ zu schade: Die Versorgung der Flughafen-Feuerwehr mir Infrastruktur und Gerätschaften schlug – so Mario Krüger – in der Vergangenheit für den Airport regelmäßig mit 800.000 € jährlich zu Buche.

Neuerdings allerdings, und noch dazu rückwirkend seit 2017, dürfe man sich in Wickede über Mieteinnahmen der Stadt in exakt gleicher Höhe freuen. Der Flughafen preise diese Summe in seine Gewinn-/Verlustrechnung ein und habe auf diese Weise im Bemühen um schwarze Zahlen eine Sorge weniger.

Im Gespräch mit Redakteur des In-StadtMagizin

Im Gespräch mit Redaktion des IN-StadtMagazin, Foto-Nachweis: IN-StadtMagazin

Ungültiges Angebot
Ein zweites Beispiel schiebt Krüger nach: Als 2014 die Fluggastkontrollen neu ausgeschrieben worden waren, habe der Flughafen selbst von vornherein ein ungültiges Angebot abgegeben. Im Endeffekt landete der Auftrag bei einem privaten Anbieter, der längst nicht alle der 70 Mitarbeiter übernahm. Der Schutzgemeinschafts-Vorsitzende rechnet damit, dass es in Kürze bei der Neuvergabe der Bodenverkehrsdienste zum Zwecke der Kostenreduzierung wieder in gleicher Weise laufen werde.

Bürger „büßen“ für Prestigeobjekt
Da die Finanzierungssorgen des Flughafens damit allerdings nicht ausgeräumt seien, müsse der Dortmunder Bürger auf vielfältige Weise für das Prestigeprojekt „büßen“: Zum Beispiel, wenn sich die Dortmunder Stadtwerke innerhalb des VRR ein weiteres Mal als Triebfeder für Preiserhöhungen positionierten. Gleichzeitig sei kein Geld für eine längst überfällige vollständige Modernisierung der Bus- und Stadtbahn-Flotte oder ein nachfrageorientierter Ausbau des ÖPNV-Angebotes vorhanden. Auch bei Fernwärme, Wasser oder Strom nutze man kontinuierlich die sich bietenden Gelegenheiten, an der Preisschraube zu drehen.
Beschäftigungslos also werden Mario Krüger und seine Mitstreiter so schnell nicht werden.

Macht es in der Öffentlichkeit doch vielmehr manchmal den Eindruck, als ob das erbitterte Wickeder Kräftemessen zwischen Flughafengegnern und -befürwortern schon seit Anbeginn der Zeiten mit unverminderter Intensität tobt. Und ein Ende – dessen ist sich der neue SG-Chef vollends sicher – ist auch nicht abzusehen.


(veröffentlicht im Spezial-IN-StadtMagazin 01/2020)

Jetzt Strom- und Gaswechsel vornehmen!!

Sie sind nicht mehr bereit mit Ihrer Strom- oder Gasrechnung die Subventionierung des Dortmunder Flughafens finanzieren? Und vielleicht wollen Sie persönlich als Verbrauch einen Beitrag zur Energiewende leisten?

Dann wechseln Sie doch zu einem Strom- und Gasanbietern, die sich seit Jahren für die Energiewende verdient gemacht und ausdrücklich von den anerkannten Naturschutz- und Umweltorganisationen wie Greenpeace, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND e.V.) ,  Naturschundbund Deutschland e.V. (NABU), Robin Wood empfohlen werden.

Über unseren Strompreis- und Gasvergleichsrechner (Stand 01.02.2020) können Sie erkennen, dass die von uns und den Umweltverbänden empfohlenen Ökostrom- und –Gasanbieter keineswegs den Vergleich mit den Tarifen der DEW21 scheuen müssen.

Ökosiegel Strom


Und damit sagen Sie auch „Nein“ zu der unübersichtlichen und verwirrenden Tarifstruktur der DEW21. Mit Kaffee-Gutscheinen und Handwerker-Dienstleistungen, die nichts mit dem Stromprodukt zu tun haben, sollen Kunden angelockt werden. Zudem fehlt es an einer tabellarischen Übersicht, mit der die Kunden die bisherigen Tarife mit den neuen Produkten vergleichen können. Kritikwürdig ist auch die Verwendung des Begriffs Ökostrom. Die DEW-Werbung suggeriert, dass der Kunde gegen einen Mehrpreis von einem halben Cent pro kWh reinen Ökostrom beziehen könne. Das ist aber reiner Etikettenschwindel, weil der Strommix von DEW weiterhin zu 33 Prozent aus fossilen Energien und zu 10 % aus Atomstrom stammt.

Die Zeitschrift Öko-Test unterzieht die Ökostromangebote jedes Jahr in ihrer Spezialausgabe "Umwelt und Energie" zusätzlich einer strengen Prüfung. In der letzten Ausgabe September 2018 wurden von 30 Tarifen 15 abgewertet, weil die Anbieter auch konventionellen Strom in ihrem Portfolio haben oder mit Unternehmen verflochten sind, die diesen Strom produzieren oder anbieten.
Übrig blieben 15 Tarife, die von Öko-Test mit "sehr gut" bewertet wurden. Neben den bekannten Anbietern Naturstrom, Greenpeace Energy und EWS Schönau sind dies folgende: BayWa, Bürgerinitiative Umweltschutz, Bürgerwerke, Fair Trade Power Deutschland, Ökostrom+ (Heidelberger Solidarstromer, Ökostromer Edingen-Neckarhausen, Schriesheimer Ökostromer, Klimaschutz+ Energiegenossenschaft), Enspire Energie, Mann Naturenergie, Polarstern, ProEngeno, Prokon, Savero, Solidarische Ökonomie Bremen, Stadtwerke Müllheim Staufen.

Empfehlenswert ist auch ein Blick in die Utopia-Liste. Aktuell (Januar 2020) werden dort 7 Anbieter empfohlen (neben den o.g. vier Anbietern noch Bürgerwerke, Mann Naturenergie und Polarstern).
Robin Wood empfiehlt in seinem Ökostromreport 8 Anbieter (Bürgerwerke, EWS Schönau, Greenpeace Energy, GrünPower, Mann Strom, Naturstrom,  Ökostrom+ und Polarstern). Lichtblick ist nicht mehr dabei. Robin Wood begründet das Ausscheiden mit der Übernahme durch die Niederländische Eneco-Gruppe Ende 2018. Eneco betreibt Gaskraftwerke und handelt mit Graustrom und das widerspreche den von Robin Wood angesetzten Kriterien. Hinzu komme, dass Lichtblick auch dem Kriterium der Zusätzlichkeit nicht in ausreichendem Maße entspreche. Dieses verlangt, dass mindestens 33 Prozent der genutzten installierten Kraftwerksleistung aus Anlagen stammt, die höchstens zehn Jahre alt sind, oder dass der Anbieter die Energiewende mit einem Mindestbetrag von 0,5 Cent pro verkaufte Kilowattstunde fördert.

Biogas entsteht mittels Bakterien bei der Vergärung von organischem Material. Es besteht zum Hauptanteil aus Methan sowie Kohlendioxid und in kleineren Mengen aus Wasserstoff, Schwefel und anderen Bestandteilen. Um dieses Rohbiogas in das Erdgasnetz, welches bei H-Gas einen Anteil von 90 Prozent an Methan besitzt, einspeisen zu dürfen, muss es zum sog. Biomethan aufbereitet werden, damit es den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Es ist somit nur ein Beigemisch zum herkömmlichen Erdgas. Informationen können dem Biogasregister Deutschland entnommen werden. Als organisches Material zur Erzeugung von Biogas werden als Hauptbestandteil nachwachsende Rohstoffe zumeist Mais, Weizen, Grasschnitt sowie tierische und pflanzliche Reststoffe z.B. Gülle und Waldrestholz eingesetzt.

Die ökologische Beurteilung des Biogases hängt zum einen davon ab, in welcher Weise der nachwachsende Rohstoff  angebaut wird, da hier keine Bioanbauanforderungen bestehen. Zum anderen wie weit das Material zur Biogasanlage transportiert werden muss. Nachhaltiges Biogas kommt ohne Verwendung von gentechnisch veränderter Biomasse oder Gülle aus und wird maximal 50 km transportiert. Es gibt nur wenige bundesweite Anbieter, nämlich EWS-Schönau, Naturstrom, Lichtblick und Polarstern.

Ökosiegel Gas

Das Wechseln geht unkompliziert und schnell. Haben Sie Ihre Lieferanfrage gestellt, kündigt das gewählte Unternehmen in der Regel Ihren alten Vertrag für Sie. Sie brauchen nichts weiter zu unternehmen. Warten Sie auf die Bestätigung Ihrer Lieferanfrage. In dem entsprechenden Schreiben steht, an welchem Tag der Ökostromvertrag anläuft. Am Tag davor sollten Sie Ihren Stromzähler ablesen und den Wert Ihrem Netzbetreiber und sicherheitshalber auch dem neuen Versorger melden.

 

In diesem Strom-und Gasrechner können Sie in Excel für Ihren eigenen Bedarf nachrechnen, was der Wechsel kosten würde.Beispellink

Airport Dortmund: Eigentore im Klimaschutz

Der FC Bayern München, der BVB und Herne West (alias FC Schalke 04) stehen seit Jahren in Konkurrenz um Punkte, Tore, Meisterschaft. Zumindest im Ruhrgebiet will man oben stehen, die Nr. 1 sein. Spieler werden gekauft, der Kader ertüchtigt. Das ehrgeizige Ziel: Dem Rekordmeister Paroli bieten. Die Losung: Seid gierig im Anspruch, schießt Tore! Tore für den Erfolg. Jedes Eigentor wäre ein Desaster.

Auch der Flughafen Dortmund verbucht Rekorde. Stolz verkündete Flughafenchef Udo Mager die Zahlen zum rekordverdächtigen Höhenflug: 41 Ziele, ca. 400.000 Passagiere mehr als noch in 2018 sind ca. 2,7 Millionen Fluggäste in 2019. Damit steht der Airport auf dem dritten Tabellenplatz der NRW-Flughäfen. Doch ein Blick hinter diese euphorische Botschaft kann einen da schon ins Grübeln bringen. Denn bei Analyse der trockenen Zahlen müssen die Erfolge klar als Eigentore bewertet werden.

Eigentor 1:
Dank der knallharten Preispolitik mit WizzAir, Eurowings, Ryanair und easyJet treiben die Billigflieger die Preise in den Keller und die Passagierzahlen sowie die CO2-Belastung nach oben. Allein bei den Starts und Landungen in 2018 wurden rund 20.000 Tonnen CO2 und zusätzlich weitere 40.000 Tonnen klimaschädliche Gase ausgestoßen. Damit gehört der Flughafen mit an die Spitze der Dortmunder CO2-Emittenten.

Eigentor 2:
Nur aufgrund der Quersubventionen mit den Dortmunder Stadtwerke konnte das relativ positive Betriebsergebnis erreicht werden, denn immerhin 12 Millionen Euro Verlust müssen für 2019 ausgeglichen werden. Seit 1998 summieren sich damit die Verluste auf erschreckende 358,5 Millionen Euro. Ob man will oder nicht: jede*r Dortmunder Bürger*in ist so automatisch über die Gas- und Stromrechnung mit 24,05 Euro dabei, schenkt quasi jedem Fluggast 4,40 Euro Taschengeld. Oder anders gesagt: Die Passagierzahlen steigen – der Erlös für den Airport und Investitionen in den ÖPNV (öffentlicher Personen-Nahverkehr) bleiben buchstäblich auf der Strecke.

Eigentor 3:
Zum Schutz der Bevölkerung wurde im Jahr 2000 die Nutzung der Landebahn auf maximal 1.700 m festgelegt. Das soll sich 2020 ändern, damit Platzhirsch WizzAir (63,7% aller Passagiere) den größeren Airbus A321 Neo einsetzen kann. Die einen loben die Planung als zukunftsorientierte Unternehmensstrategie – andere nennen das schlicht „Erpressung“. Unstrittig ist: Die Verlängerung der Landebahn um 300 m hätte weitreichende Folgen: In nur 105 m Höhe setzen die Maschinen zum Landeanflug an. Und, um Passagiere mit einem teureren Ticket nicht zu verschrecken würden die Verluste erneut steigen.